Montag, 30. Juni 2014

Özil-Trikots und Kuchenschlacht am Insitut


Public Viewing am Goethe-Institut: Deutschland gegen USA
Meine treuen Fans und Unterstützer: einige Schüler konnte ich für Deutschland begeistern.
Selbst die Özil-Trikots haben nicht gefehlt ;)




 Letzten Freitag haben wir spontan den Geburtstag von Shyam (meinem Schüler) gefeiert. Hier eine kleine Foto-Story, die das Event gut visualisiert.
Traditionsgemäß wird gesungen (auf Deutsch, denn es gibt leider keine tamilischen Geburtstagslieder). Anschließend bekommt das Geburstagskind die Sahnetorte ins Gesicht geschmiert.

 Wenn man Glück hat, bekommt man auch ein Stück in den anstatt auf den Mund. Nachdem ich diese Woche bereits mit Sahnetrote attackiert wurde, war ich heute besonders aufmerksam...



 
Anschließend entscheidet sich das Geburtstagskind den Kurs ins Restaurant einzuladen. Also schwingt man sich auf die Mopeds und los geht es. Es dauert nicht mehr lange und ich kaufe mir mein eigenes Motorrad oder Roller. Das macht einfach zu viel Spaß...









 Bis alle ins Restaurant eintrödeln, warten wir geduldig und diskutieren wie wir die Tische arrangieren, wo die Vegetarier sitzen und machen Witze.

Schließlich setzen wir uns und bekommen ein Bananenblatt. Dieses wird mit was betröpfelt. Dann gehen wir zum "Handwash-Raum", um uns die Hände zu waschen. Meine Schüler bestellen verschiedene Gerichte, die wir uns später teilen. Das Essen schmeckt fantastisch. Mittlerweile kann ich auch schon recht schnell und etwas geschickter mit der Hand essen.
Danach gibt es ein schönes Erinnerungs-Gruppenfoto. Das Geburtstagskind übernimmt die gesamte Rechnung (zusammen oder getrennt, wie es in meinem Lehrwerk steht, kennen die Inder nicht - diese Stelle im Buch finden sie immer sehr amüsant und bizarr-. Einer lädt einfach alle ein und ich hoffe, dass der arme Student noch den Rest des Monats über die Runden kommt...)



Meine Lieblingsmadam am Insitut, Ms. Aki überrascht mich mit eine Kaffeepause in meinem Büro.




Sonntag, 1. Juni 2014

Abschiedsfeier vom Direktor

Ich habe nun meine erste Gruppe zur A1-Prüfung gebracht und damit den ersten Kurs abgeschlossen. Parallel habe ich am Wochenende einen A1-Kurs begonnen. Diesen werde ich bis August unterrichten. Das ist ein Kurs voller Ingenieure bzw. Ingenieurswissenschaftsstudenten, die noch keinen großen Bezug zum Fremdsprachenlernen mitbringen, aber motiviert sind, Deutsch zu lernen, um später idealerweise einmal bei BMW in Deutschland zu arbeiten. Ich mus ziemlich viel Geduld für diesen Kurs aufbringen...manchmal sind die anstrengender als die Teens, die ich vorher hatte. Sie quatschen sehr gerne im Unterricht, aber so langsam bringe ich sie dazu, dem Unterricht mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Viele arbeiten unter der Woche und sind dann dementsprechend müde am Wochenende, wie ich auch. Wir haben trotzdem viel Spaß und ich lerne durch jede Stunde sehr viel für mich selbst.
Mein Direktor geht nun in den Ruhestand und hat sich von uns verabschiedet. Der neue Chef scheint sehr nett zu sein und ich bin gespannt wie es mit ihm wird, aber ich denke, dass nichts die gute Atmosphäre im Institut beeinflussen kann.
Am Freitag gab es eine ganz dekadente Feier in einem Hotel zu diesem Anlass. Bevor ich meinen Teller halb aufgegessen hatte, wurde ich auf die Bühne gezogen und auf einmal tanzten alle, vom Chef bis zum Teebringer zur Bollywood-Musik. Von der Lockerheit der Menschen hier können wir uns eine Scheibe abschneiden. Sobald ich die Bilder davon habe, stelle ich welche ein. Die unteren Bilder sind von der internen Abschiedsfeier.
Viel Freizeit habe ich gerade nicht, aber ich arbeite sehr gerne und kann nun zumindest etwas Geld für meine Reisen nach dem Arbeiten ansparen. Wenn ich frei habe, gehe ich gerne an den Strand oder auf die Dachterrasse einer guten Freundin.
Ich muss gestehen, ich habe hier noch Postkarten von vor 4 Wochen liegen, die ich nicht schaffe abzuschicken. Ich denke an euch, auch wenn ich es nicht immer schaffe, mich zu melden.


Die Crew vom Institut

Schippert, der neue Chef


Donnerstag, 1. Mai 2014

Ein kurzes Update

Es ist wohl mal wieder Zeit für einen Blogeintrag. Mir geht es weiterhin sehr gut und ich fühle mich hier immer mehr zuhause :). Das Einzige, womit ich gerade etwas zu kämpfen habe ist wohl die Hitze. Dagegen hilft nur drei mal täglich duschen, viele Kokosnüsse schlürfen und Lassi trinken. Ich komme morgens schon im Büro völlig erledigt an, wenn ich nach 8 Uhr mit dem Bus fahre. Gerade angenehm ist es nicht, im voll gequetschten Bus an fremden Menschen zu kleben. Trotzdem ist das Busfahren immer wieder spannend. Mittlerweile kann ich auch das Geld weitergeben, das durch den ganzen Bus zum Kassierer wandert, und den entsprechenden Haltewunsch weitergeben (und werde dabei verstanden). Wenn man blöd steht, ist man die ganze Busfahrt damit beschäftigt, Geld und Tickets weiterzureichen. Als mich neulich eine Einheimische fragte, wo sie in Adyar aussteigen kann, war ich schon etwas stolz, ihr helfen zu können, wenn ich bedenke wie verloren ich die ganzen ersten Wochen war. Obwohl ich zugeben muss, dass ich mich schon hin und wieder verirre. Heute habe ich jemanden, der mich netterweise nach Hause fahren wollte, fehlgeleitet. Irgendwann haben wir gemerkt, dass wir in die falsche Richtung einer Einbahnstraße fuhren (viele Autos kamen uns entgegen)...Aber das war kein großes Problem.

Ich habe diese Woche mit meinem ersten Kurs begonnen und unterrichte nun eine Gruppe von 28 Teens, die an einem Austausch in Bayern teilnehmen wollen und die ich jetzt sprachlich und kuturell vorbereiten soll. Obwohl ich mir sehr viel Mühe bei der der Vorbereitung gegeben habe, musste ich von der ersten Stunde an improvisieren, da es immer wieder Überraschungen gibt (z.B. Stromausfall). Trotzdem hat es viel Spaß gemacht und wir kommen ziemlich schnell voran, weil die Hälfte schon aus der Schule Grundkenntnisse mitbringt. Auf jeden Fall lerne ich hier sehr viel für meinen Beruf. Wir machen viele Ausspracheübungen und die sind immer ganz lustig, z.B., wenn es um den Ach-Laut geht. Für mich sind die Namen eine echte Herausforderung...in der ersten Stunde habe ich mich ziemlich blamiert, als ich mich bemühte, die Namen der Namenliste durchzugehen. 
Die Schüler bringen mir sehr viel Respekt entgegen und bedanken sich immer wenn sie in die Pause oder nach Hause gehen für den Unterricht. Dabei kommen sie einzeln nach vorne und sagen "Danke" (das habe nicht ich eingeführt...). Außerdem meinen viele, dass sie aufstehen müssten, wenn sie etwas vorlesen sollen. Es sind nur fünf Jungs in der Gruppe und die bleiben sehr unter sich, sie trauen sich kaum mit den Mädchen zu sprechen, aber sie machen gut mit.

Eigentlich ist heute auch hier ein Feiertag, aber das Goethe-Institut leistet sich keine Pause, wir sind rund um die Uhr geöffnet. Auch ich verbringe nun sieben Tage der Woche dort. Am Wochenende beginnt mein Erwachsenen-Anfängerkurs. Das Institut ist schon mein zweites Zuhause geworden. Aber wir unternehmen auch privat etwas zusammen. Gestern waren wir zum Beispiel alle im Kino, um uns "2 states" anzuschauen, ein Hindi-Film über den kulturellen Clash zwischen einer nordindischen und südindischen Familie. Der Film ist eine Verfilmung des gleichnamigen Buches von Chetan Bhagat, das mir sehr empfohlen wurde. Meine Kollegen meinten, dass die tamilische Seite sehr authentisch dargestellt wurde (der Film spielt sogar u.a. in Chennai).

Meine letzte Reise nach Madurai und Kerala war großartig. Wir haben uns eine riesige Tempelanlage angeschaut, wo ich von einem Elefant gesegnet wurde und eine Freundin von unserem Guide ausgeschimpft wurde : "You spoiled everything", nur weil sie sich zufällig ein Semester lang mit diesem Tempel auseinandergesetzt hat und uns etwas detaillierter und interessanter von den Besonderheiten des Tempels berichten konnte. Zum Beispiel hat sie und darauf aufmerksam gemacht, dass im Tempel  der Linga (Phallus) als Symbol des Gottes Shiva verehrt wird. Außerdem sind wir durch die Backwaters bei Cochi gefahren. Dort habe ich das erste Mal einen Baumwollbaum und einen wunderschönen Wasserfall gesehen. In den sattgrünen Palmwäldern, umgeben von Gewässern, ließ es sich sehr gut aushalten.














Das war ein knappes Update über meine vielen alltäglichen Erlebnisse. Wer mehr wissen möchte, meldet sich bitte persönlich :).

Schöne Grüße aus der Achselhöhle Indiens. 




Sonntag, 9. März 2014

Betriebsausflug und indische Gastfreundschaft

Meine Kollegen haben bei unserem Betriebsausflug bewiesen, dass sie alles andere als verklemmt und für jeden Spaß zu haben sind!
Für mich war der Ausflug zum Freizeitparkt "Wild Tribe Ranch" der erste Betriebsausflug überhaupt und eine gute Gelegenheit, meine Kollegen und Kolleginnen mal privat besser kennenzulernen.
Schon um 9 Uhr morgens wurde im Bus die Musik voll aufgedreht und nach und nach sprangen die Mitreisenden von ihren Sitzen auf, um ihre indischen Tanzmoves zum Besten zu geben. Es wurde viel gelacht, getanzt und fotografiert und wir haben uns mental schon mal auf den Spaßpark vorbereitet. In Deutschland kann ich mir so eine ausgelassene Stimmung nur auf einer Feier mit viel Alkohol vorstellen und schon gar nicht zu einer so frühen Uhrzeit...
Wir hatten den gesamten Park für uns. Eine kleine Bildergeschichte folgt...





Mein Chef


Da ich aus meinem alten Appartment ausziehen wollte, aber noch nicht in meine neue Unterkunft konnte, habe ich für zehn Tage bei der Familie meiner Kollegin Susanna leben dürfen. Das war mir dann doch lieber, als bei einem fremden Inder couch zu surfen oder in einem Lady´s Hostel ohne Dusche und mit Ausgangssperre unterzukommen.
Ich wurde sehr herzlich von Susanna, ihrem Mann und der kleinen Tochter aufgenommen und habe jeden Tag hausgemachtes Essen probieren dürfen. Zum Frühstück gab es schon deftiges Essen mit frisch gepresstem Orangensaft. Bevor ich aufgegessen hatte, lag schon der nächste Dosa (eine Art Pfannkuchen ohne Ei aus Reis-und Linsenmehl) auf meinem Teller. Es ist üblich, dass die Gäste zuerst bedient werden, danach isst der Gastgeber. Gegessen wird dabei nicht immer am Tisch. Oft setzt man sich einfach auf den Boden...wo man sich eben gerade befindet.
Nach dem Frühstück bin ich mit Susanna und ihrer Tochter auf dem Roller zur "Schule" (ein Kindergarten, in dem die 2-Jährigen schon unterrichtet werden...) gefahren, um dort Tusita abzuliefern. Sie geht dort jeden Tag hin und verbringt danach den Rest des Tages bei ihren Großeltern. Danach sind wir immer gemeinsam zur Arbeit gefahren.
Ich wurde von der Familie zu allem eingeladen und habe mich direkt als Familienmitglied gefühlt.
Nach zehn Tagen musste ich leider wieder weiterziehen, aber ich bin sehr froh, endlich in meiner eigentlichen Wohnung angekommen zu sein. Jetzt lebe ich bei Syamala, eine ehemaligen Lehrerin des Goethe-Instituts, die alleinstehend ist und gerne etwas deutsche Gesellschaft hat. Sie ist schon etwas älter, aber geistig noch ganz fit und sehr aktiv. Ich habe hier ein niedliches Zimmer mit eigenem Bad und wohne in einer guten Gegend. Syamala ist sehr um meine Sicherheit besorgt, weshalb nach 23 Uhr die Wohnung komplett verriegelt wird. Das ist der einzige Nachteil der Wohnung, aber ich werde mich damit wohl arrangieren. Bei der Hitze ist es mir sogar lieber um 6 aufzustehen und einen Hauch frische Luft und die "freien" Straßen zu genießen, als lange zu schlafen. Da ich nun wieder hospitiere, muss ich nun sowieso früh aufstehen und bin abends dementsrprechend müde.

Letztes Wochenende hatte ich einen kurzen Besuch von meinem Vater, der zufällig zur gleichen Zeit auf einer Geschäftsreise in Indien war. Es war ein schönes, wenn auch kurzes Wochenende und wir haben einige neue Sehenswürdigkeiten und Restaurants der Stadt kennengelernt.  Außerdem konnte sich mein Vater vergewissern, dass es mir hier an nichts mangelt und ich von vielen liebenswerten Menschen umgeben bin. Es ist natürlich noch einmal ganz anders mit eigenen Augen das Land zu sehen, als nur davon zu lesen und zu hören.

Ich habe nun meinen zweiten Hospitationskurs begonnen und ich bin wieder sehr zufrieden mit dem Kurs. Jetzt habe ich ein paar Priester in der Gruppe, die Deutsch lernen müssen.

Meine Tamilkenntnisse sind leider noch nicht sehr fortgeschritten und ich habe das Gefühl aufgrund meiner "Sprachlosigkeit" viel zu verpassen. Neulich fuhr ich im Bus und es zeterte mal wieder eine Frau, die sich mit dem Geldeinsammler des Busses stritt. Sie wurde immer lauter und lauter und der gesamte Bus wartete darauf, dass die Diskussion ein Ende nehemen würde und der Bus weiterfahren könnte. Schließlich habe ich einen Fahrgast gefragt, worum es denn ging. Letztendlich hat sich die Frau nur darüber aufgeregt, dass der Bus nicht direkt vor ihrer Nase an der Bushaltestelle, sondern ein paar Meter entfernt gehalten hatte und sie fünf Schritte dem Bus hinterherlaufen musste. Ich frage mich immer noch, was man darüber so lange und breit diskutieren kann.

Meine neue Nachbarschaft

Kokosnuss zum Schlürfen: das Wunderallheilmittel

Mein neuer Lieblingsladen...daraus bringe ich euch sicher etwas mit ;)

Kapaleeswar Tempel - Mylapore



Ausblick vom Leuchtturm am Marina Beach
(dem angeblich zweitlängsten Sandstrand der Welt)




Im Teehaus